Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenk‑ und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

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Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Rekonstruktion eines unbekannten Haftschicksals

26. Mai 2026

Nach langer Recherche konnte die Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam nun das bisher unbekannte Haftschicksal von Kurt Steinecke rekonstruieren. Familienangehörige übergaben der Gedenkstätte hierzu wichtige Archivdokumente, historische Fotografien und Postkarten.

Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert nach seiner Verhaftung ist die Geschichte des Frankfurters Kurt Steinecke damit nun breit dokumentiert. Seine Nichte Camilla Klich erhielt nach mehreren Jahren des Wartens Kopien aus der geheimdienstlichen Ermittlungsakte, die im FSB-Archiv Moskau verwahrt wird. Die Gedenkstätte hatte ihr geholfen, dort einen persönlichen Antrag zu stellen. Mit den Auszügen aus Verhörprotokollen und dem Urteil war ihr auch ein Abzug des erkennungsdienstlichen Fotos übermittelt worden, welches der Geheimdienst bei der Einlieferung im Gefängnis Leistikowstraße 1950 angefertig hatte.
Bei einem Besuch des Leidensortes ihres Onkels übergaben Camilla Klich, ihre Schwester Bettina Zarneckow und deren Tochter Alexandra der Gedenkstätte diese wertvollen Dokumente. Außerdem vertrauten sie ihr private Familienfotografien sowie sieben originale Postkarten an, die Kurt Steinecke von Angehörigen und Freunden in das sowjetische Strafarbeitslager geschickt bekommen hatte.

Die sowjetische Spionageabwehr nahm Kurt Steinecke im September 1950 fest. Wie aus den nun vorliegenden Unterlagen hervorgeht, wurde ihm die Kontaktaufnahme eines früheren Freundes zum Verhängnis, der ihn als Informant für westliche Geheimdienste anwerben wollte. Da sein Name in dessen Notizbuch auftauchte, wurde auch Kurt Steinecke verhaftet. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft verurteilte ihn ein Sowjetisches Militärtribunal Ende April 1951 wegen Spionage zu 25 Jahren Haft im Strafarbeitslager. Nach rund viereinhalb Jahren in den Lagern Workuta und Jawas gelangte er im Oktober 1955 wieder in die Freiheit.

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