Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenk‑ und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

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Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Die Gedenkstätte Leistikowstraße trauert um Peter Seele

02. Februar 2022

Die Gedenkstätte Leistikowstraße trauert um Peter Seele, der am 31. Januar 2022 im Alter von 93 Jahren in Potsdam verstarb. Der ehemalige Häftling des sowjetischen Untersuchungsgefängnisses war der Gedenkstätte seit Beginn ihres Bestehens eng verbunden. 

„Peter Seele hinterlässt eine große Leerstelle. Über viele Jahre war er regelmäßig bei unseren Veranstaltungen zugegen, berichtete Schulgruppen immer wieder von seinen Hafterlebnissen und nahm an Gedenkzeremonien teil. Als Zeitzeuge steuerte er außerdem wichtige Informationen bei der Erforschung des Haftortes und Erinnerungsstücke für unsere Sammlung bei. Wir haben ihm viel zu verdanken. Seine herzliche und sehr humorvolle Art werden alle Mitarbeitenden stets in bester Erinnerung behalten“, so Gedenkstättenleiterin Ines Reich.

Peter Seele wurde am 27. Oktober 1928 im thüringischen Mühlhausen geboren, verbrachte den Großteil seiner Kindheit jedoch in Potsdam. 1943 absolvierte er eine Lehre als Dreher und Maschinist bei den Arado-Flugzeugwerken in Potsdam-Babelsberg. Nach Militärdienst und amerikanischer Kriegsgefangenschaft arbeitete Peter Seele ab 1949 als Kraftfahrer und Maschinist für die sowjetischen Besatzungstruppen in Potsdam. Am 9. Oktober 1951 verhaftete der sowjetische Geheimdienst den 22-Jährigen wegen des Verdachts auf Spionage. Nach Aufenthalten im Potsdamer MGB-Gefängnis Lindenstraße und in der Villa Ingenheim hielt die sowjetische Militärspionageabwehr Peter Seele bis März 1952 im Gefängnis Leistikowstraße in Haft. Ein Sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn wegen Spionage für den britischen Geheimdienst zu 25 Jahren Strafarbeitslager. Bis 1953 leistete er Zwangsarbeit im Bergbau des GULAG-Lagers Workuta. Im Dezember 1955 wurde er in die Bundesrepublik entlassen, kehrte jedoch kurze Zeit später nach Potsdam zurück. Dort arbeitete er fortan in der städtischen Sportverwaltung. 
Seit den 1990er Jahren war er als Zeitzeuge aktiv. Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Peter Seele im August 2000. 

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