Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Presseinformationen

65/2018: Die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam feiert ihr 10-jähriges Jubiläum

03. December 2018

no.: 65/2018

Mit der Gründung der Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam unter dem Dach der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten begann vor zehn Jahren der Aufbau einer modernen Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses der sowjetischen Militärspionageabwehr in Potsdam. Dr. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, und Maria Schultz, kommissarische Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, haben heute in Potsdam anlässlich des 10-jährigen Jubiläums Bilanz über die Entwicklung der Einrichtung gezogen. Das Jubiläum der Stiftung wird am Sonnabend mit einer Festveranstaltung und einem Tag der offenen Tür begangen.

Dr. Axel Drecoll erklärte: „Auch wenn die Anfangsphase von zahlreichen Konflikten geprägt war, können wir nach zehn Jahren intensiver Arbeit feststellen, dass die damals getroffene Entscheidung sich bewährt hat. Der zunächst mit großem ehrenamtlichem Engagement betriebene, in seiner beklemmenden Authentizität einzigartige Erinnerungsort ist heute ein modernes, zeithistorisches Museum und zugleich Ort der außerschulischen Bildungsarbeit sowie des Gedenkens. Dank fundierter wissenschaftlicher Forschung und intensiver Zusammenarbeit mit Zeitzeugen und Angehörigen verfügen wir heute über ein sehr viel differenziertes Bild über die Häftlinge des Untersuchungsgefängnisses und die sowjetische Straf- und Verfolgungspraxis. Dies ist die Grundlage für eine vielfältige Bildungsarbeit, bei der sich junge Menschen, aber auch Erwachsene kritisch mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus und der Etablierung einer kommunistischen Diktatur in der Sowjetischen Besatzungszone auseinandersetzen“, sagte Drecoll.

Drecoll dankte den ehrenamtlichen Vereinigungen sowie dem Evangelisch-Kirchlicher Hilfsverein, die sich seit 1994 für den Erhalt des Gefängnisgebäudes und die Errichtung einer Gedenkstätte eingesetzt haben, für ihr außerordentliches Engagement. Er dankte auch der Leiterin Dr. Ines Reich und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die komplexe und bedrückende Geschichte des einstigen sowjetischen Haftortes aufgearbeitet, vermittelt und über das Land Brandenburg hinaus bekannt gemacht haben. „Die mit dem Erfolg gewachsenen Aufgaben im Bereich der Forschung und der Sammlung sowie die Herausforderungen einer modernen Vermittlungsarbeit erfordern in der Zukunft auch eine deutlich bessere personelle und finanzielle Ausstattung“, sagte Drecoll.

Die Historikerin Maria Schultz, seit 2009 Mitarbeiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam und derzeit kommissarische Leiterin, ergänzte: „Heute ist die Gedenkstätte Leistikowstraße eine etablierte Einrichtung mit jährlich über 11.000 Besuchern aus dem In- und Ausland. Wir bieten pädagogische Programme, Veranstaltungen und Ausstellungen an, helfen bei der Schicksalsklärung und sind in der Gedenkstätten- und Forschungslandschaft gut vernetzt. Doch wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns. Immer noch gibt es viele unbekannte Häftlingsnamen und Schicksale. Zudem gilt es, neue Herausforderungen zu bewältigen, wie beispielsweise das absehbare Ende der Zeitzeugenschaft, die Diversität der Besucherinnen und Besucher mit ihren neuen Sehgewohnheiten, die stetig wachsende Sammlung von Objekten und die Digitalisierung. Wir müssen gerade für Schülerinnen und Schüler neue Zugänge zu diesem Kapitel der deutsch-sowjetischen bzw. europäischen Geschichte entwickeln und für die Errungenschaften von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte werben“, so Schultz.

Die am 5. Dezember 2008 gegründete nichtrechtsfähige Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam wird treuhänderisch von derStiftung Brandenburgische Gedenkstätten verwaltet. Stifter ist der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein (EKH), der als Eigentümer das nach 1945 vom sowjetischen Militärgeheimdienst genutzte Gebäude sowie den 2008 fertig gestellten Neubau eines Besucherzentrums in die Stiftung einbrachte. Die Treuhandstiftung wird zu je 50 Prozent vom Land Brandenburg und vom Bund finanziert. In diesem Jahr fördern die Mittelgeber die Stiftung mit rund 295.000 Euro. Seit 2008 haben der Bund und das Land immer wieder auch Sondermittel für Ausstellungen und Baumaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Aufgabe der Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam ist es, an das im ehemaligen Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes in der Leistikowstraße 1 in Potsdam geschehene Unrecht und die Opfer zu erinnern, das Haus als Gedenk- und Begegnungsstätte für Zwecke der politischen Bildung und der Förderung des demokratischen Staatswesens zu nutzen, die Geschichte des Hauses und die Einbindung in das System der Unterdrückung, insbesondere der politischen Justiz zu erforschen und die Öffentlichkeit durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren sowie das Gefängnisgebäude denkmalgerecht zu erhalten. 

Seit dem Beginn des Interimsbetriebs im März 2009 besuchten knapp 73.000 Menschen die Gedenkstätte. In diesem Zeitraum fanden rund 150 Sonderveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen, Zeitzeugengespräche, Vorträge, Sonderführungen, Buchvorstellungen, Filmvorführungen, Konzerte und Theateraufführungen statt. 2012 konnte die Dauerausstellung zur Geschichte des Untersuchungsgefängnisses eröffnet werden. Im Jahr 2015 erschien eine viel beachtete Publikation zu den Häftlingsinschriften an den Zellenwänden im Keller des Gebäudes. Die Gedenkstätte zeigte seit ihrem Bestehen 17 unterschiedliche Ausstellungen. Derzeit wird die Erweiterung der Dauerausstellung vorbereitet. Der neue Ausstellungsraum, in dem die Themen Prozesse, Strafverbüßung und das Leben nach der Haft dargestellt werden, wird am 22. Januar 2019 eröffnet.

 

Sonnabend, 8. Dezember 2018

Zehn Jahre Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

11.00 Uhr: Festveranstaltung

Festvortrag: Prof. Dr. Bernd Faulenbach, Ruhr-Universität Bochum

Ort: Aula der Evangelischen Grundschule, Große Weinmeisterstraße 18, 14469 Potsdam

 

ab 14.00 Uhr: Tag der offenen Tür mit Sonderführungen und einer Depotschau (Eintritt frei)

Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

in der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Leistikowstraße 1, 14469 Potsdam

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