Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Presseinformationen

71/2019: Appell von Gedenkstättenstiftung, Schlösserstiftung, Leibnitz-Zentrum für Zeithistorische Forschung und Internationalem Sachsenhausen Komitee zur bevorstehenden Konstituierung des Kulturausschusses im Landtag Brandenburg

03. Dezember 2019

Nr.: 71/2019

In einem Schreiben an Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und die Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und BVB/Freie Wähler geben Axel Drecoll (Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten), Frank Bösch und Martin Sabrow (Direktoren des Leibnitz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam), Christoph Martin Vogtherr (Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten) und der norwegische Überlebende des KZ Sachsenhausen und Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Bernt Lund, ihrer großen Sorge anlässlich der bevorstehenden Wahl eines Vorsitzenden des Kulturausschusses Ausdruck.

Das Schreiben von gestern im Wortlaut:

 

An die Präsidentin des Landtages Brandenburg, Frau Prof. Dr. Ulrike Liedtke
An den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag Brandenburg, Herrn Erik Stohn
An den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Landtag Brandenburg, Herrn Dr. Jan Redmann
An die Fraktionsvorsitzende der Partei „Die Linke“ im Landtag Brandenburg, Frau Kathrin Dannenberg
An die Fraktionsvorsitzenden der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ im Landtag Brandenburg, Frau Petra Budke, Herrn Benjamin Raschke
An den Fraktionsvorsitzenden von „BVB/Freie Wähler“ im Landtag Brandenburg, Herr Péter Vida

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge beobachten wir in den vergangenen Jahren Äußerungen von Parteien und Gruppierungen, die darauf abzielen, die Massenverbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen und damit das gesamte gesellschaftspolitische Klima negativ zu verändern. Umso wichtiger erscheint es, gerade den Vorsitz des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Brandenburgischen Landtages so zu besetzen, dass kritische Aufarbeitung, Vielfalt, Respekt und Toleranz gesichert bleiben. Die Pressemitteilung, dass für den Vorsitz des Kulturausschusses offensichtlich der AfD Abgeordnete Christoph Berndt vorgesehen ist, erfüllt uns mit großer Sorge.

Seit dem Aufbau des Bundeslandes haben die in ihm angesiedelten und historisch arbeitenden Wissenschafts-, Kultur- und Gedenkeinrichtungen erfolgreich geforscht und ihre Ergebnisse im Rahmen der historisch-politischen Bildungsarbeit vermittelt. Gemeinsam mit dem Land vertreten sie die Leitideen einer kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Diktaturvergangenheit, die den Werten der Toleranz und Vielfalt in europäischer und internationaler Perspektive gerecht wird. Diesen Weg gilt es auch in geänderten politischen Konstellationen weiter zu beschreiten. Jeder Form von Fremdenhass und Ausgrenzung von Minderheiten entschieden entgegenzutreten, halten wir für eine selbstverständliche Aufgabe auch des Kulturausschusses des Landtages.

Gerade die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen und eine von ihr getragene Geschichtskultur, die dem Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes großen Stellenwert beimisst, sind Grundpfeiler unseres friedlichen und auf Respekt und Vielfalt basierenden gesellschaftlichen Miteinanders. Eine Beibehaltung dieses Grundkonsenses und eine Fortführung dieser Arbeit für eine demokratische und wertebasierte Erinnerungskultur in Brandenburg sind zudem wegen der großen internationalen Aufmerksamkeit auf dieses sensible Themenfeld von besonderer Bedeutung. Aber auch den epochenübergreifenden Gesamtbereich der Geschichtskultur und seine freiheitlich-liberalen, auf Respekt gegründeten Traditionslinien gilt es zu bewahren und vor Missbrauch zu schützen.

Die Opfer der nationalsozialistischen Konzentrationslager mussten erfahren, wohin Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in ihrer schlimmsten Konsequenz letztlich führen können. Für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer in aller Welt ist es von immenser Bedeutung, dass sich der Ausschuss und insbesondere der Vorsitz mit aller Entschiedenheit gegen Hass und die Diffamierung von Minderheiten richten und jedem Versuch der Verharmlosung von NS-Verbrechen entgegenstellen. Jede Besetzung, die diesen Prämissen nicht folgt, würde von ihnen als fatales Signal empfunden werden.

 

Prof. Dr. Frank Bösch

Prof. Dr. Martin Sabrow

Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr

Dr. Axel Drecoll

Bernt Henrik Lund


Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
16515 Oranienburg | Heinrich-Grüber-Platz | T +49 3301 810920 | F +49 3301 810926
seferens@stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de


Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird vom Ministerium des Landes Brandenburg und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

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